Die kühle Schiffskiste

Nach dem Desaster beim Einkauf  während der Anno 1900 letztes Jahr war klar dass ich mir eine Kühlbox zulegen musste, um mir den größten Teil meines Essens mitzunehmen. Nur ist so eine Box leider aus Plastik und quietschbunt. Das passt so gar nicht ins Ambiente! Schnell war die Idee geboren die Kühlbox mit Holz zu verkleiden und wie eine Schiffskiste aussehen zu lassen. Das Ganze noch etwas auf alt und verwittert trimmen und Logos der Ostindien-Kompanie drauf. Dann passt das sowohl ins Piraten- als auch ins Steampunk-Ambiente. Den Verein gab’s ja lange genug um beide Epochen abzudecken. Und wenn ich schon dabei bin, gleich noch eine zweite Kiste für Equipment dazu. (Natürlich bin ich nicht der Erste und Einzige der auf diese Idee gekommen ist.) Also geschwind eine mittelgroße Kühlbox mit guten Bewertungen beschafft, dazu Holz, schwarze Nägel und ein paar Repliken antiker Scharniere (Ebay). Dann noch die Recherche wie so eine Kiste eigentlich genau ausgesehen hat. Hier wird’s problematisch, denn Abbildungen von Originalen ließen sich im Netz nicht finden. Ich musste mich also an das halten was Filme und diverse andere Projekte im Internet zeigen. Und los geht’s…

Erst mal wurde die Kühlbox von ihrem Henkel befreit, den würde sie sowieso nicht mehr brauchen und der stört in der Kiste eher. Dazu wurden die Plastikabdeckungen der Henkelachse links und rechts einfach rausgebrochen. Danach konnte der Henkel ganz einfach entfernt werden. Übrig blieben die Achsen auf denen der Henkel saß. Mit einer kleinen Bügelsäge und Cuttermesser waren die aber recht schnell beseitigt.

Ohne Zeichnung geht nix! Sofern man nicht einen ganze Palette Holz rumliegen hat kann man sich den Luxus von Verschnitt nicht leisten. Und ohne Zeichnung und Maße versägt man sich unter Garantie hoffnungslos. Also Skizze angefertigt und Box vermessen. Dabei kam ich auf den Gedanken dass die zweite Kiste für Equipment recht klein werden würde. Also habe ich den Plan geändert und die Kisten doppelt so groß geplant. Das sollte sich dann später aber als Fehler erweisen.

Mit der Kappkreissäge ging der Zuschnitt recht flott und die ersten Bretter konnten miteinander vernagelt werden. Schon bei den ersten Teilen viel mir auf dass das fertige Konstrukt nicht halten würde. Stöße, Stürze oder Donnerfürze vorbeilaufender Piratenrüpel würden die Kiste nicht überstehen. Bei näherer Betrachtung der bereits fertigen Teile wurde mir auch klar wieso. Erstens hatte ich mich aus Gewichtsgründen für Bretter mit 18 mm Stärke entschieden, was aber zuwenig Futter für die Nägel ist. Zweitens ist das billige Holz meist aus Kiefer oder Tanne und einfach zu weich, was wiederum zuwenig Druck auf die Nägel ausübt. Drittens waren die Nägel einfach zu glatt und halten damit schlechter im Holz. Viertens würde bei der doppelten Größe schon das reine Eigengewicht zum Problem. Auch die Technik die Nägel schräg zueinander einzuschlagen war hier nichts ausreichend. Also, neuer Besuch im Baumarkt und verschiedene Winkel und Schrauben besorgt. Außerdem ein weiteres Bündel Bretter, denn mit dem vorhandenen Holz würde ich nicht reichen. Es sieht gar nicht danach aus, aber es stecken etliche Meter Holz in so einer Kiste. Ich habe es später bei der zweiten, kleineren mal ausgerechnet und festgestellt dass mehr als 17 Meter Holz verwendet wurden, ohne Verschnitt!

Nachdem alles vernagelt und verschraubt war wollte ich die Scharniere anbringen und stieß dabei auf das nächste Problem. Die Repliken antiker Scharniere haben die Bohrungen zu dicht in der Mitte beim Drehpunkt. Bei einer Montage in 90 Grad wären sich somit die Schrauben gegenseitig im Weg. Also neue Recherche bemüht und festgestellt dass alle Scharniere so gestaltet sind, egal in welcher Ausführung. Mann kann diese also nur flach und in 180 Grad anbringen. Projekt ruhen lassen und ein paar Tage drüber nachdenken war angesagt. Statt nun wieder komplett von vorne anzufangen oder einfach alles zu verbrennen entschied ich mich letztlich dafür den Deckel zu teilen und die Scharniere in 180 Grad zu montieren. Mir war an dem Punkt nicht klar ob ich die Kühlbox anschließend noch in die Kiste gefädelt kriege. Aber das war eigentlich auch schon egal, denn eine zweite Kiste wollte ich ja eh noch bauen. Mir schwante inzwischen auch dass Kiste, gefüllte Kühlbox und Equipment insgesamt zu schwer sein würden um es noch alleine tragen zu können. Und so kam es auch, die Kühlbox ging bei montiertem Deckel nicht mehr rein.

Dann sollte es eben so sein und die erste Kiste würde die Equipment-Kiste werden und die zweite würde ich rund um die Kühlbox auf Maß bauen statt doppelt so groß. Und so ist es dann auch geschehen. Für die kleinere Kiste mit Kühlbox muss ich mir später noch etwas einfallen lassen. Denn bei der ist der Deckel nur aufgelegt und verfügt nicht über Scharniere.

Das Thema Haptik und antiker Look. Ich hatte vorher nicht die geringste Ahnung von Holzbearbeitung und während des Bauens einiges gelernt. Aber bei diesem Projekt war das eher zuträglich als nachteilig. Immerhin, so der Gedanke, würde ein Schiffszimmermann nur so gut wie nötig bauen, nicht aber so gut wie möglich. Maßtolleranzen, grobe Schnitte, ausgefressene Kanten, Spuren des Hämmerns etc. wären für den abgenutzten Stil von Vorteil. Holz wird beim Altern in der Regel gelblich, dann eher orange, dann braun und zum Schluss grau. Diesen Effekt kann man bei Holzbänken gut beobachten wie sie häufig auf dem Land zu finden sind. Also wurde die erste Kiste zunächst in einem hellbraunen, leicht orangen Farbton lasiert und sollte dann eine Schicht grau drüber bekommen oder ein graues „Wasching“ mit extrem verdünnter Lasur. Auf die graue Schicht habe ich aber am Ende verzichtet und später noch eine andere Methode angewandt. Bei der zweiten Kiste habe ich schon vor dem Zuschnitt lasiert, und da vor allem viel dünner, was am Schluss auch viel besser aussieht. Zwischen der ersten und der zweiten Kiste hab ich durch Zufall noch einen Tipp entdeckt wie man die Struktur des Holz betonen kann. Und zwar indem man das Holz mit einer Drahtbürste behandelt. Durch die unterschiedliche Dichte und Härte der Jahresringe entsteht eine Riefenstruktur in der Oberfläche die die Maserung betont. Geniale Methode, denn mein Holz war ja leider glatt statt wie eigentlich gewünscht sägerau. Sägeraues Holz gab’s im Baumarkt nur mit Dicken ab 22-25 mm, was mir zu fett und zu schwer für das Projekt erschien. Vor dem Lasieren habe ich also bei der zweiten Kiste noch mit Rundbürste aus Messing und Bohrmaschine die Oberfläche gebürstet. Das Ergebnis ist toll geworden wie ich finde. Man sieht sehr schön die Struktur unter der leichten Lasurdecke.

Nun ging es ans Logo der Ostindien-Kompanie. Die wurden damals häufig einfach mit einem glühenden Eisen eingebrannt, oder mit Schablone und Teerfarbe aufgetragen. Beides stand mir nicht zur Verfügung, also musste mattschwarzer Sprühlack reichen. Das Logo wurde ausgedruckt und auf Pappe geklebt. Dann mit dem Skalpell vorsichtig ausgeschnitten. Schablone auf der Kiste ausrichten, ringsherum gut abkleben und dann dezent sprühen. Hier muss man schnell sein und in einem Arbeitsgang alle Logos mit der Schablone aufbringen. Denn wenn der Lack trocknet wellt er durch die entstehende Oberflächenspannung die Schablone auf, was sie natürlich unbrauchbar macht.

Nachdem beide Kisten fertig waren habe ich dann nochmal einen interessanten Tipp gefunden wie man Holz alt aussehen lassen kann. Man nehme Blumenerde, mische diese mit Wasser und streiche das Holz mit der Pampe gut ein. Nach dem Trocknen den Schlamm abwischen bzw. Abbürsten. Man vermutet dass der Torf in der Blumenerde das Holz fermentiert. Auch wenn meine Kisten schon lasiert waren und damit die Oberfläche so gut wie versiegelt, wollte ich es dennoch ausprobieren. Also haben beide eine Schlammpackung bekommen. Und in der Tat, es gab einen guten Effekt ab und die Kisten sehen nun noch älter und verbrauchter aus. 

Schiffskiste WIP

Schiffskiste WIP

Dass sind sie nun, die fertigen Schiffskisten. Ich konnte bei dem Projekt eine ganze Menge lernen und an Erfahrung gewinnen. Das wird bei späteren Aktionen sicherlich sehr hilfreich sein.

Schiffskisten fertig

Schiffskisten fertig



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